geschichten

Zurück

 

 

                                            

                 

 

... UND  TEXTE  VON
      CHRISTIANE KANT

        

über und mit Menschen mit und ohne Tourette-Syndrom

 

 

 

 

 

1. ERIC - oder von einem, der auszog, das Ticen zu lassen

************************************************************

 

Gemütlich spaziert Eric durch den Park. Hier ist es friedlich.

Blumen und Bäume blühen,Vögel zwitschern,die Sonne scheint.Lauer Wind weht ihm um Nase und Ohren und fängt sich in seinen blonden zerzausten Haaren.

Eigentlich ein toller Tag.Komisch nur,daß auf einmal überall Hunde und Katzen durcheinander laufen.Nirgens weit und breit ist eine Menschenseele zu sehen.Unsicher setzt sich Eric auf eine Bank,die ihn durch ihr leuchtendes Rot und Blau schon von weitem wie magisch angezogen hat.Ein Geräusch läßt ihn nach oben schauen.Im wilden Apfelbaum über ihm sieht er plötzlich viele große,schwarze Vögel.

Wie unheimlich! Der Himmel sieht auch nicht mehr freundlich aus. Merkwürdige Farben spielen von Gelb zu grün,von rot bis violett und von irgendwoher klingt leise eine seltsame Musik.

Eric fröstelt.Er fürchtet sich und schließt die Augen.Als er sie wieder öffnet,findet er sich plötzlich an einem völlig anderen, unbekannten Platz wieder.Doch das drohende "Kraaah,kraaaah!" ist immer noch greifbar nahe.Bloß von wo? Kein Vogel ist mehr zu sehen. Kein Mensch.Auch die vielen Hunde und Katzen sind verschwunden. Sicher mögen sie mich wieder nicht,denkt Eric traurig.

Er ist 10 Jahre und hat komische Zuckungen in Gesicht,den Beinen, die sich an schlimmen Tagen über seinen gesamten zarten Körper erstrecken.Man hört ihn auch öfter vor sich hinsprechen und glucksen,weil es ihn für einen Moment von einem unbestimmten Druckgefühl in der Brustgegend befreit,wie er sagt.Die Leute schauen ihn manchmal entsetzt an und niemand weiß richtig,was mit ihm los ist.Was hat man ihn dafür schon verspottet!

Eric auf seiner bunten Bank hat nun deutlich Angst,daß wieder Kinder kommen werden,um über ihn herzufallen,als er auch schon von weitem die gefürchteten Stimmen näherkommen hört.Er kann sich nicht bewegen,nicht aufstehen,geschweige wegrennen.Nur Millimeter für Millimeter,wie in Zeitlupe,gelingt es ihm,den Rumpf ein wenig zu drehen.

Nein,denkt er,kein Alptraum!,und reißt die Augen auf.

Eine ganze Horde ist zu sehen.Da haben sie ihn auch schon erspäht und rennen kreischend mit gehobenen Armen in seine Richtung.

In den fuchtelnden Händen tragen sie Stöcke.Er ist wahrhaftig nicht in der Lage,sich fortzubewegen.Nur seine Zuckungen,die funktionieren und lassen den kleinen Kerl voll Angst immer lebhafter auf der Stelle werden.Hilfesuchend guckt er sich um. Nichts.Die Kinder rennen mit ihren schwingenden Hölzern direkt auf Eric zu.In ihrer Mitte-nein!,was soll das-,erkennt er Paul,seinen besten Freund.Warum nur!! Die Kinder sind ganz nahe und laufen immer schneller! Wollen sie ihn etwa umrennen?! Ein gellender Schrei dringt in den Gelben Himmel.

Eric öffnet die Augen und.... sitzt aufrecht in seinem Bett. Verstört schaut er um sich.Die Kinder sind verschwunden.Es war doch ein Traum! Pffffff! Erleichtert ausatmend ergreift er Wusel,seinen schwarzen Plüschhund,den er fest an sich drückt.

"Oh je,wenn du wüßtest,was ich eben Schreckliches geträumt habe!" 

klagt er seinem Hund.Der bleibt stumm.

Eric schlägt die Decke zurück und geht,immer noch vorsichtig,zum Fenster,um sich zu überzeugen,daß es diesen gespenstischen Park mit seinem unheilvollen Himmel nicht gibt.

Der Himmel ist grau.Noch nie empfand er diesen so freundlich.

Es wird wohl wieder regnen.Egal.Nur diese Vögel nicht! Und die schrecklichen Kinder! Außer seine Tic´s,die hat er noch.

Könnten die nicht auch weg sein!?!,denkt er traurig.Ihm fällt ein, daß er sich für die Schule fertigmachen muß.Oh je! Auch das noch!

Unmutig verläßt er sein Zimmer und schaut sich in der Wohnung um. Niemand ist hier.Er ist allein.Die Eltern sind auf Arbeit,Anja,die 13 jährige Schwester ist schon in der Schule.

Ich müßte heute zur 3.Stunde,denkt er.Die würde zehn Uhr beginnen.

Ja würde.Eric denkt an seinen Traum zurück.Puuuhh schrecklich!

So gemein sind zwar seine Mitschüler nicht.Doch er hat Angst.

Überall stehen Leute herum und glotzen ihn mit einem riesen Fragezeichen im Gesicht an,als würden sie warten,daß er Mätzchen macht.Mit gesenktem Haupt sieht er zu,dort möglichst schnell vorbeizukommen.

Es kotzt mich total an! Könnte ich doch raus aus meiner Haut,denkt er wütend.Nööö,in die Schule kriegen mich heute keine zehn Pferde! Begeistert über den Entschluß,schlüpft er schnell in Jeans und Pulli und greift,während er sich die Jacke überwirft,noch schnell zum Brötchen,daß ihm seine Mutti liebevoll in die Küche gestellt hatte.Das ging ja ganz fix,ohne Symptome!,staunt er,als er die Treppe,immer zwei Stufen auf einmal nehmend,hinunterstürzt.

Wenn er bei einer Sache 100 prozentig ist,mit vollem Gefühl dabei, hat er nichts,absolut nichts! Kein Zucken,kein Dehnen,keine Laute.

Niemand darf mich sehen jetzt,denkt Eric juchzend und verschwindet um die Ecke.Hier wacht Arco,der zottlige,große Nachbarshund,der ihm immer schon von weitem entgegenkläfft.

Der kann nicht leiden,wenn ich auch belle,denkt Eric belustigt.Mein Revier! Nicht mal der hat Verständnis!

Dort ist die Bushaltestelle.Es hat nun zu regnen begonnen.Scharfer Wind pfeift in seinen roten Ohren.

Eric ist fester entschlossen,denn je.Die können mir mal! Mich vermißt sowieso keiner,geht es ihm durch den Kopf.In Gedanken sieht er das Klassenzimmer vor sich,die in Reihe und Glied sitzenden, Mathe büffelnden Kinder und ihren Lehrer,Herrn Wurst,wie er Zahlen und Hyroglyphen an die Tafel kritzelt.Niemand wird mitbekommen haben,daß es ihn dort heute nicht gibt und vielleicht nie mehr!, sagt er sich und beobachtet eine mitwartende,alte Dame mit ihrem quirligen Dackel.

Der Bus kommt.Eric steigt ein.Mit ihm die alte Frau.Der hat es gut, hat nicht solche Tic´s,denkt er und guckt neidisch auf den Dackel. Der ist einfach nur fröhlich.Warum bin ich der einzige mit solcher Macke!? Aber vielleicht bin ich eben auch nur fröhlich,wenn ich zucke.Ich vermag es nicht anders auszudrücken.Nur einen Hund beäugt niemand kritisch.Immer nur mich! Ich kenne niemanden,der annähernd auffällig ist.Alle anderen sind normal! Nur immer mich starren die Menschen an,als wäre ich ein Außerirdischer!

Ach wäre ich doch einer!!! In seiner Phantasie sieht er ein Raumschiff landen und kleine,liebe Männchen sich ihm nähern.Sie haben gütige Augen und geben ihm freundschaftlich die Hand.

Sie laden ihn ein,um ihm ihr Raumschiff zu zeigen.

Ein Ruck.Der Busfahrer bremste scharf.Eric ist wieder in dieser Welt.Hier wohnt Tante Edda.Ob er aussteigt? Ach,wozu.Dahinten fängt der Wald an.Dort werde ich ein Stück spazieren gehen und mich ausruhen.

Der Regen hat aufgehört.Eric überquert fröhlich quiekend eine Wiese.Rechts davon befindet sich ein Spielplatz.Das laute Gekreisch erinnert ihn wieder an seinen Traum und warum er von zu Hause abgehauen ist.Mit einem großen Bogen umgeht er diesen Platz und rennt dem Wald entgegen.Ich möchte einen Außerirdischen treffen!!!

weint er.Ja,ihm laufen wahrhaftig die Tränen vor Sehnsucht nach Ruhe und vorbehaltlosen Freunden.Selbst Paul meckert manchmal.

Da hinten kommen schon wieder Menschen!,denkt er verzweifelt.

Immer bin ich auf der Flucht.

Es ist eine Gruppe Behinderter,erkennt er bald.Fünf in Rollstühlen, einer sogar ohne Beine.Wie schrecklich! Ich habe Beine.Nur,daß die nicht immer machen,was ich will,geht es ihm durch und durch.Er schüttelt sich.Der Kopf fliegt nach hinten.Ein Juchzer.

Niemand dreht sich um nach ihm.Ist das Toll! Am liebsten wäre er zu den Leuten hingelaufen und hätte sich dazugesellt.Doch er eilt weiter und erreicht den Waldrand.Lange denkt er über die Gruppe eben nach.Wie schön wäre es,wenn alle Menschen gleich wären und niemand würde den anderen verurteilen,nur,weil er anders ist.

Die Sonne kommt zaghaft heraus.Gierig saugt Eric die Wärme auf.

Vor ihm beginnt eine schöne,große weite Fläche sich auszudehnen.Im Sommer hat hier wohl mal Korn gestanden.Sie geht über in eine noch weitere Wiesenfläche.

Doch was ist das? Inmitten der Wiese befindet sich ein großer, schwarzer Erdfleck.Das sieht ja merkwürdig aus! Als hätte hier mal ein Raumschiff gestanden,denkt Eric in seiner sehnsuchtsvollen Phantasie.Er schaut genauer hin,geht auf die Stelle zu und beginnt mit dem Finger in der Erde zu malen.Hey man,ich werde denen eine Botschaft hinterlassen! Geil!!!

Er macht einen Luftsprung und ist nicht mehr aufzuhalten in seinem Vorhaben.

"Genau,hier haben sie gestanden und auf mich gewartet!",sagt er laut."Hallllo! Halllooooo!!!",ruft er in die Stille.Vom Wald her hört er nur sein klägliches Echo und den Eichelhäher antworten,der die anderen warnen möchte vor Gefahr.Eric ist sich plötzlich ganz sicher,daß das hier die Botschaft ist für ihn.Er sucht ein Stöckchen und schreibt:

"Hier Eric-hier Eric-habe euch gefunden-kommt doch wieder-bitte-ganz eilig-absolut wichtig!!!" Eric hat alles Schlechte vergessen und fühlt sich gedrängt,wieder umzukehren und nach Hause

zurückzufahren.Er wirft den Stock weg und hofft,daß es nicht regnet und seine Botschaft verloren geht.

Guter Laune tritt er den Rückweg an und schaut auch den Leuten im Bus freundlich ins Gesicht.Man erwidert sein Lächeln sogar.

Eric hüpft vor Freude und reißt weit den Mund auf.Erschrocken schaut er sich um.Niemand scheint etwas bemerkt zu haben.Immer diese Schuldgefühle!

"Wenn die nicht wären,wäre das Leben einfacher!",bemerkt Eric laut.Doch der Motor des Busses rattert laut,niemand hörte ihn.

Und wenn schon,denkt Eric und atmet erleichert tief durch,immer noch die kreisrunde Erdfläche der Wiese vor Augen.

"Klar!",ruft er laut.Eine Frau guckt ihn an.Doch es stört ihn nicht.Er hat jetzt andere Sorgen.

Ob das wirklich von einem Raumschiff herrührt?? Ich muß da wieder hin! Gleich morgen!,legt er fest.Da ist auch schon seine Station. Vorbei an Arco,der diesmal nur neugierig schnüffelt.Eric ist so in seinen Raumschifftraum vertieft,daß er keine Zeit für Tic´s hat.

Es ist fast Abend.Anja und Mutti sind in der Küche beschäftigt,um das Abendbrot vorzubereiten.

"Wo kommst du denn jetzt her?",fragt besorgt die Mutti.

"Und wie dreckig der wieder ist!" ergänzt Anja.

"Ach laß ihn doch,Anja!"

Wortlos schießt Eric in sein Zimmer und holt Papier aus der Schublade.Ich muß es noch mal aufschreiben! Die Botschaft! Falls sie hier vorbeikommen! Mit großen Buchstaben kritzelt er seinen Text auf das weiße Blatt Papier.Und wenn Fehler drin sind?

Ach,so doof sind nur Lehrer,beruhigt er sich und legt das Blatt auf den freien Platz hinter der Gardine,die er gleich darauf schließt.

Wenn Anja das findet!

Der Magen meldet sich.Er hatte sogar nicht mal an Essen gedacht. Dann sind eigentlich auch seine Symptome stärker.Doch heute?

"Erric!" Mutter ruft.

Was sage ich denn nur? Ich war doch nicht in der Schule.Na,mir wird schon was einfallen,denkt er gleich.Ob da ein Raumschiff...?

Die Familie sitzt schon beisammen.Löffel klappern auf Tellern.

Anja hat wieder ihr ekliges Frikassee gekocht!

Egal.Hungrig,ohne aufzusehen,schaufelt er seinen Teller leer.

Niemand spricht ein Wort.Er nimmt noch schnell einen Schluck Milch und steht schon wieder auf.Sonst liebt er das gemeinsame Beieinander mit der Familie,wo jeder über seine Sorgen reden kann.

Doch heute will er lieber nichts gefragt werden.Mit ein paar Worten,die er selbst nicht versteht,stiehlt er sich von Tisch und verschwindet wieder in seinem Zimmer.

Es klingelt.Oh Schreck,Paul!,fährt es ihm durchs Gemüt!

Mit gemischten Gefühlen hört er,wie Anja öffnet.

Wenn der...!

"Hallooo! Was ist mit Eric? Ist er etwa krank?",hört er ihn auch schon seine Schwester fragen.

"Wieso?"

"Ach,ich meine bloß!" Gott sei Dank! Paul ist klug! Diesmal hält er sein verdammtes Plappermuhl.Es klopft an Eric´s Tür.

"Hallo! Warum warst´n heut´nich´...

"Pssssst!" macht Eric und zeigt auf die Tür.

"Was ist los?",flüstert Paul.

Eric berichtet von allem,von seinem Traum,seinem Entschluß und von seinem Geheimnis,dem Raumschiffplatz,außerhalb der Stadt.

Aufmerksam lauscht Paul dem vor Aufregung oft stockenden Bericht des Freundes.

"Man Eric! Saustark!!! Ich kann´s nicht glauben!"

"Doch,ehrlich! Ich bin ganz sicher,da ist was faul!"

Sie beschließen,am nächsten Tag wieder hinzufahren.

Paul stören Eric´s Tic´s nicht.Nur manchmal nervt es íhn.

Er läßt die Hausaufgaben da und geht wieder nach Hause.

In der Nacht liegt Eric lange wach.Er kann einfach nicht mehr einschlafen.Plötzlich wird ihm klar,daß er wartet.Worauf nur???

Wie er so daliegt,sieht er etwas Oranges leuchten.Es ist ein kleiner Punkt am Himmel.Er kann von Bett genau aus dem Fenster schauen,direkt in den sternenübersäten Himmel.

Ein schöner Stern!,denkt er und ihn überkommt eine Welle zärtlicher Gefühle,die ihn wieder an seine Sehnsucht nach liebevollem Umgang aller miteinander erinnern.

Es ist kein Stern,es bewegt sich.Ein Flugzeug.Nein.Es ist zu unstet.Eric richtet sich auf,um genauer hinzusehen.Ob das...???

Sein Atem geht schneller.Das Herz klopft wild.Er hat sich ja immer gewünscht,daß liebe Männlein vom anderen Stern kommen,um ihm Mut zu machen.Doch jetzt?? Wenn das nun auf einmal wirklich welche sind???

Und wenn die dann gar nicht so nett sind?,durchfährt es ihn mißtrauisch.Er sitzt kerzengerade und starrt gebannt auf den immer größer werdenden orange Punkt.Er wagt kaum zu atmen.Dann ist der Punkt plötzlich verschwunden.Irgendwie erleichtert läßt sich Eric wieder auf das Kissen zurückfallen und versucht,einzuschlafen.

Er träumt gut.Kleine liebe Männchen haben sich um ihn gesellt und ihm Mut gemacht.

Das ist alles,woran er sich am nächsten Morgen erinnern kann.

Doch seine Stimmung ist großartig.Alles klappt wie am Schnürchen.

Beim Frühstück gesteht er seiner Mutti,daß er gestern nicht zur Schule war,weil es ihm nicht gut ging.

Mutti streicht ihm gutmütig übers Haar und stellt keine Fragen weiter.

Zufrieden schlüpft er in Schuhe und Jacke,greift seinen Rucksack und zieht gutes Mutes zur Schule.Für einen kurzen Moment überkommt ihn noch einmal die Stimmung aus dem letzten Alptraum.Er schafft es aber,tief durchzuatmen und den Sinn auf etwas Schönes zu lenken.

Er freut sich sogar auf die Schule.Paul steht an der Klassentür und

begrüßt ihn mit einem geheimnisvollen Lächeln.Gemeinsam schreiten sie auf ihre Plätze,als es auch schon zum Unterricht klingelt.

 

Es bimmelt schon wieder.Die Kinder raffen ihre sieben Sachen zusammen,stopfen sie eiligst in die Tasche und stürzen aus dem Klassenzimmer.Eric hat immer ein bißchen länger zu tun.Der plötzliche Situationswechsel läßt ein paar Symptome aufkommen.Heute hat er Ruhe dabei.Niemand hetzt ihn.Auch Paul wartet geduldig. Schließlich will Eric ihm ja den Platz vom Raumschiff zeigen.

Gemütlich gehen sie zum Bus.Sie wollen auch sichergehen,daß niemand ihnen nachkommt und irgendwelche Fragen stellt.

Gefahren zu der Stelle am Wald,steigen sie aus und laufen,so schnell sie ihre Beine tragen können,zum Kornfeld durch.

"Dort!",sagt Eric und zeigt auf die Stelle dahinten,inmitten der großen Wiese.

Paul steht wie angewurzelt da und stiert wortlos in die Richtung.

"Ich faß es nicht! Mensch Eric!" Sie rennen über den Acker direkt zum schwarzen Erdfleck.

"Da!",ruft Eric und zeigt auf eine Stelle.

"Was denn?",Paul guckt Eric fragend an."Ich sehe ja diese Stelle!"

"Na hier!" Eric rekelt den Zeigefinger noch weiter aus.Paul fallen bald die Augen heraus,so weit reißt er sie auf.Doch er kann nichts Bestimmtes erkennen.

"Was meinst du denn,Eric!",drängelt er ungeduldig.

"Hier schrieb ich gestern auf,daß ich hier bin und sie kommen sollen.Und,-siehst du nicht diese Zeichen hier?",wobei er den Finger bald in die Erde piekt.Ein Zucken geht um seinen Mund,die Stirn,den gesamten Kopf.

"Zeig mal!" Beide Köpfe dicht über dem Boden,versuchen sie,das Unfaßbare zu glauben.

"Hier sind ganz deutliche Zeichen zu erkennen,Paul!"

"Tatsache! Mensch,ich denk´,ich spinne! Guck mal Eric! Hier sind drei Kreuze,ein Kreis,ein Dreieck und ein Kreis drin und diese Zeichen da!"

"Ja! Na glaubst du es mir nun? Und gestern habe ich hier was hergeschrieben.Das ist jetzt weg.Und geregnet hat es auch nicht wieder!"
"Affenstark! Und du glaubst,daß dieser rote Lichterstern..."

"Orange!"

"Wie? Was?" Paul denkt,Eric provoziert ihn wieder mit Tic´s.

"Oranger Stern,Paul-Ja,ich bin sicher.Das waren sie!"

"Wenn man bloß wüßte,was die uns sagen wollen.Können die nicht deutsch schreiben?!"

"Paul,weißte,ich glaube die verstehen alles!"

"Na gut,und jetzt?!"

"Was?"

"Na,was machen wir jetzt?",fragt Paul aufgeregt

"Ich werden ihnen wieder etwas aufschreiben." Eric nimmt einen Stock und schreibt:

"Haben eure Botschaft erhalten,können sie nicht entziffern.

Bitte meldet euch.Wir warten.Brauchen eure Hilfe!!! Eric & Paul"

Paul meint,auch ein paar Zeichen hinzumalen

"Dann fühlen sie sich verstandener.Das macht man so.Habe ich im film gesehen!"

"Okay." Eric malt noch ein Bild.In einem Kreis sind zwei Personen, die winken.

"Gut.Laß uns warten.",meint Paul.

"Nee,wenn sie nun nur im Dunkeln kommen,oder wenn wir außer Sicht sind? Vielleicht trauen sie sich ja nicht."

"Na gut!" und sie fahren wieder heim.

Paul bleibt heute bei Eric über Nacht.

Doch nichts Auffälliges geschieht.Am nächsten Tag fahren sie wieder zum Wald.Schon von weitem können sie etwas erkennen,das gestern noch nicht dort war.Beim näheren Hinsehen erkennen sie eine Schüssel,ungefähr von einem Durchmesser von 30 cm.Wie sie nahe genug heran sind,sehen sie,daß vier kleine,bunt schillernde Steinchen darin liegen und ein Stein,der mit diesen Zeichen versehen ist,wie sie gestern in die Erde gekratzt waren.

"Klug sind die!",staunt Paul."Guck mal,damit der Regen es nicht verwischt,haben sie es in den Stein gekratzt.Und als Beweis,daß es nicht irgendwelche Wichtigtuer sind,die sich eeinen SCherz machen wollen,haben sie uns diese Steinchen hier hinterlassen.Die können unmöglich von hier sein.So was hab ich mein Leben noch nie gesehen!" Paul ist in Fahrt.Eric ist vor Begeisterung der Mund offen stehengeblieben.

"Ist das irre! Los Paul,wir müssen ihnen auch was hinterlegen!"

Sie gucken sich den Stein noch genauer an.Der zeigt aufgekrakelte

Strichmännchen,vier Stück,mit auffallend großen Köpfen und einem freundlichen Gesicht.

"Vielleicht ist das nur ein Trick!",zweifelt Paul an,doch Eric ist überzeugt,hier seine wahren Freunde gefunden zu haben.

"Guck mal,das komische Material der Schüssel",meint Eric "nichtMetal und nicht Plaste!"

"Wenn man sie doch nur mal erwischen könnte!", sagt Paul.

Sie verbleiben noch eine Weile hier,malen wieder ein Bild von sich,

stecken die Steinchen ein,-die Schüssel lassen sie dort-,und fahren zurück.

Der Bus ist stoppenvoll.Eric und Paul stehen eingekeilt zwischen zwei dicken Frauen und zwinkern sich aufmunternd zu.

Die nächsten Tage besuchen sie nach der Schule regelmäßig ihren geheimen Ort.Doch nichts war seither verändert.

"Ob sie doch nicht wiederkommen?",denkt Eric traurig und schaut sehnsüchtig aus dem Fenster.Das beschriebene Blatt,versteckt hinter der Gardine,ist auch unberührt geblieben.Doch nur Spinne???

 

Tage vergehen.Es ist wieder Abend.Die üblichen Abläufe in der Familie.Abendbrot,erzählen,essen,abräumen,abwaschen.Freiwillig greift Eric zum Mülleimer.Vielleicht begegnet er ja seinen Freunden.Vielleicht warten sie auf eien günstige Gelegenheit,sich zu offenbaren!

Nichts.Mutter freut sich über Eric´s Elan im Haushalt.Doch weiter nichts.Enttäuscht geht Eric bald ins Bett,um hier zu warten.

Ihm ist,als wenn heute noch etwas Unvorhergesehenes geschieht.

Stunde um Stunde verrinnt.Vater und Mutter sind auch schon zu Bett gegangen.Anja scheint noch zu lesen in ihrem Zimmer.Dann wird auch dort das Licht gelöscht.Eric ist allein und starrt Löcher in die Luft.Er ist ein bißchen traurig.

Plötzlich hält er inne.Da! Was ist das? Nichts.Da! wieder!.Mein oranges Lichtlein! Eric springt aus dem Bett.Die Decke fliegt auf den Teppich.Er reißt die Gardine auf und sieht es ganz deutlich:

Ein heller oranger Schein,was kein Stern,kein Flugzeug ist!

Völlig aufgelöst gluckst er ein paarmal und wünscht sich,die Gedanken intensiv nur darauf gerichtet,daß es endlich seine lieben Außerirdischen sind.

Wie automatisch geht er wieder zurück ins Bett und wartet gespannt. Man darf sie nicht unter Druck setzen,denkt er einfühlend.

Fast ist er am Einschlafen,als er plötzlich ein winziges Geräusch hört.Wieder! Als wimmere jemand.Er ist auf alles gefaßt jetzt.Ich darf keine Angst haben!,ermutigt er sich zitternd.

Jetzt hört er es ganz deutlich.Ein zartes Stimmchen ruft:

"Eric!Eric!"

"Wer ist da!"

"Eric? Du brauchst wirklich keine Angst haben.Das ist richtig!"

"Wer ist da?" Eric ist gefaßter denn je.Er wagt sogar,sie anzusprechen,diese Stimme.

"Seid ihr es,auf die ich schon so lange warte?"

"Eric,wir sind es! Hab keine Angst.Schön,daß du da warst,an der Wiese."

"Wo seid ihr.Ich möchte dich sehen!"

"Krieg keinen Schreck,wir sehen komisch aus im Vergleich zu euch!"

"Macht nichts,ich bin auch ein bißchen komisch.Ich zucke immer!"

"Das ist uns völlig gleichgültig.Hauptsache,du bist lieb und tust uns nichts.Es gibt auch Typen bei euch,die uns fangen würden.Um zu beweisen,daß es uns gibt,wäre ihnen jedes Mittel recht."
"Seid unbesorgt.Ich will nur mit euch reden.",meint Eric.Seine Angst ist völlig verschwunden.Er fühlt sich großartig und richtet seine Aufmerksamkeit auf den bevorstehenden Kontakt.Es ist wieder still.Er lauscht.Da sieht er,von der Straßenlaterne angestrahlt,ein Männlein,keinen Meter groß mit einem großen Kopf,lieben Äugelchen und kugelrunden,orangen Wangen.Der kleine zarte Körper ist blau.

"Ich bin BiBie."

"Voher kennst du unsere Sprache?" das ist das,was Eric zuerst beschäftigt.

"Ach,weißt du.Wir können Gedanken lesen,wenn jemand gut ist.Unsere

Wellen verbinden sich dann mit denen desjenigen,auf den wir unsere Konzentration lenken.Unser Gehirn vermag es dann in eure Sprache zu übersetzen.So können wir uns mit jedem x-beliebigen Wesen verbinden."

Ungefragt antwortete BiBie auf seine Gedanken auch schon:

"Wir kommen vom Planeten Tourukles,ein kleiner Trabant im übernächsten Sonnensystem.Wir reisen mit Gedankengeschwindigkeit.

"Wahnsinn! Willst du was trinken?"

"Ja,eine Kleinigkeit kann nicht schaden."

Geschwind holt Eric aus der Küche die angefangene Colaflasche vom Abendbrot und reicht sie BiBie.Der setzt an und schüttelt sich,daß das ganze Zimmer im Wind steht und alles auf Eric´s Schreibtisch durcheinanderfliegt.

"Du kannst das ja noch besser als ich,BiBie!",lacht Eric.

"Was meinst du,deine komischen Tic´s?"

"Woher weißt du...?"

"Ich bin hergekommen,um dir zu helfen,Eric.Dir und den unwissenden Menschen.Du hast eine Krankheit,die bei uns schon lange nicht mehr existiert.Ich habe recherchiert und fand in uralten Aufzeichnungen deine Krankheit beschrieben.Vor -zig Jahrtausenden gab es sie auch bei uns,doch die Wissenschaft ist fündig geworden,wo genau die Stelle im Gehirn liegt,die versehrt ist bei dieser Erscheinung. Übrigens heißt das bei euch Tourette-Syndrom.Es gibt einige tausend Betroffene und man hat sich zusammengeschlossen.

"Echt? Wirklich??? Wo sind die? Ich möchte mal einen kennenlernen! Und,vor allem: wie heilt man das???" will Eric wissen.

"Wir sind unterwegs,um die Ärzte zu informieren.

Wir heilen durch Energie.Auf unserem Planeten,in unserer Sphäre, gibt es keine Kriege und andere Böswilligkeiten mehr.Die gesamte Energie in unserem Körper kann,Kraft unserer Gedanken,frei durch unser Sein fließen.Nichts ist blockiert,wenn wir unsere gesammelte Liebe und Güte auf eine gute Sache konzentrieren.Wir nutzen die Selbstheilkräfte.Bei euch ist das noch nicht so erforscht.Und die Wissenschaft ist skeptisch gegenüber Dingen,die sie nicht schwarz auf weiß sieht."

"Kannst du mich heilen???".Vielleicht später einmal,Eric".BiBie säufst und schließt für einen Moment seine gutmütigen,grünen Augen.Dann fährt er fort:

"Zuerst mußt du selbst noch lernen,deine Heilkräfte zu mobilisieren

Die Aufgabe unserer Mission jetzt ist,die Menschen aufzuklären und liebevoll auf ihre Schwächen hinzuweisen.Indem wir ihnen ihre Stärken zeigen,erkennen sie es selbst,verstehst du?"

"Ja!"Eric ist begeistert.Was für feine Wesen vom anderen Stern.

Fast schämt er sich seiner Unzulänglichkeit und Fehler wegen.

Doch BiBie,der seine Gedanken schon wieder erraten hat,tröstet ihn:

"Sei nicht traurig.Du bist ein ganz toller Junge,ein liebes Menschlein.Du hast Fehler,um zu wachsen,indem du aus ihnen lernst.

Klug bist du und hast sehr viele Talente.Nutzen mußt du sie."

BiBie lächelt mit breitem Mund und flüstert:

Konzentriere dich auf dein liebevolles Herz.Lerne dich selbst lieben.Das allein wird dich heilen.Sei stark.Für umsonst sind wir nicht gerade zu dir gekommen.Du kannst den Menschen helfen."

"Iiiich??" Eric ist ganz ruhig und lauscht den Worten Bibie´s.

"Ja,hab Verständnis für ihre Unwissenheit und Vertrauen zu deinen eigenen Heilkräften.So mobilisierst du sie.Sie stecken in jedem von euch.Nur ihr nutzt sie noch zu wenig.Sei optimistisch.Wer ängstlich und mißtrauisch allem gegenüber ist,wird auch Mißtrauen und Argwohn auf sich ziehen.Wie neulich das Echo im Wald.So ist es auch mit den Menschen." BiBie setzt sich auf den Schreibtisch und läßt die Beine baumeln.

"Erzähl mir mehr!",drängt Eric ungeduldig.

"Jeder einzelne hat Sorgen.Jeder hat seinen Rucksack voller Probleme,von Kindheit an.Das muß auch irgendwie so sein.

Indem ihr lernt,ihnen ein Ende zu setzen,wächst euer wahrer Reichtum.Ihr werdet reicher an Erfahrungen und könnt euch aus den Sorgen des Alltags besser befreien.Dann fließen eure Energien und ihr werdet gesünder sein." Bibie ist ein wenig erschöpft.Er hopst vom Tisch,hebt den Kopf,nimmt einen tiefen Atemzug und schließt die Äuglein.Seine langen,schwarzen Wimpern ruhen auf den Kugelwangen, als er sich zärtlich mit den kleinen Händen über das Gesicht streicht.

Eric starrt entgeistert auf die Stelle von BiBies Herz.

Dort leuchtet etwas!

"Was ist das!" ruft Eric in die Nacht und sieht sich daraufhin erschrocken um.Daß nicht noch Anja erwacht oder Mutter oder Vater!

BiBie lächelt wieder liebevoll.

"Hab keine Angst,Eric.Das ist unser Energiepol.Hiermit tanke ich neue Kraft.Laß mich zum Schluß noch etwas sagen:

Wirklich glücklich ist,wie gesagt,nur derjenige,der nicht nur Schlechtes vom anderen erwartet.So wird ihm auch Gutes zuteil werden.Die meisten Erwachsenen sind auch nur große Kinder,ängstlich und unsicher.Denke mal in Ruhe darüber nach und versuche,sie liebevoll,wie du bist,zu verstehen." BiBie macht einen tiefen Atemzug und spricht weiter.

"Ihr Menschen müßt noch viel lernen.Das ist gut so.Meine Kameraden sind ausgeschwirrt,um bei einigen Wenigen vorbeizusehen,denen man vertrauen kann.Bleib stark und hab dich lieb,so wie du bist.Du bist etwas ganz besonderes Wunderbares.Dann gelingt es dir auch,zu verzeihen,dir selbst und anderen.Ohne Schuldgefühle wirst du freier atmen können.Hab keine Angst vor der Zukunft.Sie liegt ganz in deiner Hand."

,wie BiBie aufgetaucht war,ist er auch wieder verschwunden.Ehe sich Eric versieht,ist er wieder allein.

Doch ihm ist

Ich muß jetzt gehen,Eric.Ich komme wieder."

So plötzlichwohlig zumute.Der kleine außerirdische Kerl hat so viel Frieden in ihm hinterlassen,daß er plötzlich gar keine Angst hat vor dem kommenden Morgen,den Kindern und und und.

Keine Augen der Welt können ihn jemals wieder verletzen.

 

 

Was ist das  "TOURETTE - SYNDROM" ???

 

Hilfe unter:

Interessenverband Tourette-Syndrom

www.iv-ts.de

                   

 

 

                

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Gratis Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!